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Erfahrungsbericht: Dual-Boot-Installation openSUSE Leap 42.2 und Windows 10

Achtung! Hier lesen Sie keinen objektiven Testbericht, sondern einen subjektiven Erfahrungsbericht, der meine ganz persönliche Meinung wiedergibt und keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit erhebt! Ich übernehme keine Haftung für falsche Aussagen. Alle Angaben ohne Gewähr!

Vor kurzem habe ich eine Dual-Boot-Installation von Linux und Windows 10 auf einem Laptop vorgenommen. Da es dabei einige Hürden zu überwinden gibt, die aus meiner Sicht ein Normalanwender nicht so einfach schafft, entschied ich mich, meine Erfahrungen niederzuschreiben.


1. Ausgangssituation

Bei uns ist der Familien-Laptop ausgestiegen und musste ersetzt werden. Da der Rechner hauptsächlich zum Surfen im Internet verwendet wird und mir das Eigenleben von Windows 10 etwas suspekt ist, sollte Linux das Hauptbetriebssystem werden. Da ich schon seit über 20 Jahren manchmal mehr, manchmal weniger mit SuSE Linux arbeite, fiel die Wahl auf das aktuelle openSUSE Leap 42.2 64 Bit. Da es allerdings in unserem Haushalt auch einen Lego-Roboter EV3 gibt und die zugehörige Software nur für Windows und Mac verfügbar ist, musste Windows mit ins Boot genommen werden, also Dual-Boot.

2. Hardware

Die Nutzung eines Laptops durch Kinder fordert manchmal seinen Tribut. Zunindest hatten wir in der Vergangenheit schon entsprechende Verluste einschließlich eines Laptop-Totaldefekts zu verzeichnen. Aus diesem Grund sowie aufgrund der überwiegenden Nutzung zum Surfen im Internet fiel die Wahl auf einen billigen Acer Aspire ES1-531 mit einer Pentium N3700 CPU.

3. UEFI und Secure Boot

Bei einer Installation von Linux und Windows 10 zusammen auf einem Rechner kommt man nicht drumherum, sich mit den Themen UEFI und Secure Boot zu befassen. Aus diesem Grund möchte ich hier darauf eingehen.

Auf jedem Rechner gibt es eine Firmware, allgemein als BIOS bekannt, die das Booten von Festplatte oder einem anderen Medium vornimmt. Dieses BIOS hat seine Wurzeln im 1981 erschienenen IBM-PC und ist heute konzeptionell veraltet. Aus diesem Grund hat vorallem Intel die Entwickung einer neuen und erweiterbaren Firmware-Schnittstelle vorangetrieben (Extensible Firmware Interface - EFI). Als noch andere Unternehmen auf den Zug aufsprangen, wurde daraus UEFI (Unified EFI). Entgegen manch landläufiger Meinung ist also UEFI nichts schlechtes, sondern ein längst überfälliger Ersatz für das alte BIOS.

Beim alten BIOS wurde der zu bootende Programmcode entweder aus dem Master Boot Record (MBR) oder aus dem ersten Sektor der mit dem Boot-Flag markierten Partition gelesen. Bei UEFI wird dagegen der zu bootende Programmcode aus einer speziellen FAT-formatierten Partition (EFI-Partition) gelesen, in dem sich die verschiedenen Betriebssysteme in jeweils einem eigenen Unterverzeichnis eintragen können. Mit UEFI wurde auch die GUID Partition Table (kurz GPT) eingeführt, die nicht zu der alten im MBR liegenden Partitionstabelle kompatibel ist. Man muss sich also entscheiden, entweder das eine oder das andere. Und je nachdem, wie die Entscheidung ausfällt, muss man im "BIOS" (richtigerweise Firmware) UEFI ein- oder ausschalten.

Der bei Linux häufig verwendete Boot Loader grub kann sowohl mit dem alten als auch mit dem neuen Partitionsstil umgehen. Möchte man nur Linux auf dem Rechner haben, gibt es also kein Problem. Wem UEFI suspekt ist, kann in der alten Welt bleiben.

Rechner mit vorinstalliertem Windows 8 oder Windows 10 kommen mit einer GPT-partitionierten Festplatte daher, die eine EFI-Partiton enthält. Möchte man darauf auch Linux installieren, bleibt nur die Wahl von UEFI.

Secure Boot ist eine Erweiterung von UEFI. Ist Secure Boot aktiviert, wird nur Programmcode gebootet, der signiert ist. Damit die Firmware eine Signatur prüfen kann, benötigt sie einen entsprechenden Schlüssel. Und genau da liegt das Problem. Auf einem handelsüblichen Laptop oder PC, der gewöhnlich mit vorinstalliertem Windows verkauft wird, sind im UEFI gewöhnlich nur Microsoft-Schlüssel enthalten. Auf so einem Rechner lässt sich mit Secure Boot somit nur Microsoft-Code starten. Allerdings bedeutet UEFI nicht automatisch auch Secure Boot. Lässt sich Secure Boot abschalten, kann man Linux und Windows problemlos parallel in einer UEFI-Umgebung installieren.

Bei meinem Acer Aspire ES1-531 sind UEFI und Secure Boot jedoch miteinander verheiratet. Schaltet man UEFI ein, ist automatisch auch Secure Boot aktiv. Und da Linux keinen signierten Microsoft-Boot-Code enthält, kann Linux erstmal nicht gestartet werden. Die Lösung des Problems kommt jedoch von Microsoft selbst und nennt sich Shim. Dabei handelt es sich um einen von Microsoft signierten Boot Loader, der konfigurierbar ist und andere Boot Loader starten kann, u.a. auch den von Linux. Eine Dual-Boot-Installation von Linux und Windows ist damit möglich.

4. Installation

Zuallererst muss man sich Linux herunterladen und auf einen USB-Stick oder eine DVD schreiben. Der USB-Stick muss mit einem speziellen Programm beschrieben werden, damit er bootfähig wird. Hat man einen Linux-Rechner zur Hand, kann man das auf diesem Rechner mit dem Benutzer root und dem Befehl dd tun.

Ich möchte hier nicht auf die Installation von Windows 10 eingehen, da das meistens sowieso vorinstalliert ist. Ich gehe also davon aus, dass Windows 10 auf dem Rechner bereits installiert ist. Die Festplatte ist somit im EFI-Stil partioniert und enthält wahrscheinlich 4 Partitionen. Um nun Linux zu installieren, muss Platz geschaffen werden. Das kann man während des Linux-Installationsprozesses durch Verkleinern der Windows-Hauptpartition (die größte der vier vorhandenen Partitionen) tun.

Wichtig! Das Verkleinern funktioniert nur dann problemlos, wenn im Windows Fastboot bzw. zu Deutsch Schnellstart ausgeschaltet ist. Deshalb muss man vor Beginn der Linux-Installation folgendes tun:
  1. Windows  starten
  2. Einstellungen öffnen
  3. nach Energieoptionen suchen
  4. Auswählen, was beim Drücken des Netzschalters passieren soll
  5. Option Schnellstart aktivieren (empfohlen) ausschalten
  6. Änderungen speichern
  7. Windows herunterfahren (nicht nur in den Standby schalten!)

Die Installation beginnt nun mit Anstecken oder Einlegen des Linux-Installationsmediums und anschließendem Neustart. Sobald der Rechner neu startet, bitte ins BIOS wechseln (beim Acer Aspire ES1-531 mehrfach die F2-Taste drücken) und dort die Boot-Reihenfolge so umstellen, dass die "USB-Festplatte" bzw. das DVD-Laufwerk vor der Festplatte und, falls angezeigt, vor dem Eintrag Windows steht. Des Weiteren muss man zumindest bei dem Acer Aspire das Touchpad von Advanced auf Basic umstellen. Wenn nicht, bräuchte Linux einen speziellen Treiber, den man aber wohl nicht hat. Danach Einstellungen speichern und neu starten.

Die openSUSE-Installation ist komfortabel gemacht. Am Anfang fragt es alle notwendigen Informationen ab und stellt dann den Installationsumfang übersichtlich dar. Die angezeigten Partitionsempfehlungen kann man so übernehmen. Das gilt auch für das Häkchen bei Secure Boot (bitte angeklickt lassen, wenn im UEFI Secure Boot aktiviert ist). Nun muss man nur noch auf einen Button drücken und die eigentliche Installation geht los.

Nachdem die Linux-Installation durchgelaufen ist, startet der Rechner neu. Das Installationsmedium ist noch angesteckt bzw. eingelegt, d.h., das Installationsprogramm startet erneut. Wenn man nicht eingreift, was man an der Stelle auch nicht tun sollte, und man die Wartezeit bei der Optionsauswahl verstreichen lässt, wird normalerweise nun das gerade installierte openSUSE gestartet und konfiguriert. Doch bei mir wurde kein Linux von der Festplatte gestartet, sondern der normale Installationsweg erneut eingeschlagen. Die Bestätigungsmaske für die openSUSE-Lizenz erschien wieder. Ich habe des Installationsprogramm abgebrochen, und wollte das gerade installierte Linux über das Boot-Menü des Installationsprogramms starten. Doch auf der Festplatte befindet sich angeblich kein Linux...

Das Problem ist nun folgendes: Da bei Secure Boot nur Microsoft-Code gestartet werden kann, hat das Linux-Installationsprogramm nur einen Shim-Konfigurationseintrag in die EFI-Partition geschrieben. Doch das Windows weiß davon nichts und ignoriert es.

Wichtig! Man muss nun Windows 10 starten und darin die openSUSE-Boot-Konfiguration aktivieren. Dazu führt man als Administrator folgende Kommandozeile aus:

bcdedit /set {bootmgr} path \EFI\opensuse\shim.efi

Ist im UEFI Secure Boot ausgeschaltet, kann man den Linux Boot Loader auch direkt starten lassen:

bcdedit /set {bootmgr} path \EFI\opensuse\grubx64.efi

Wenn man nicht weiß, wie man das als Administrator ausführen soll, legt man auf dem Desktop eine Verknüpfung an und gibt als Ziel die o.g. Kommandozeile ein. Danach klickt man mit der rechten Maustaste auf die Verknüpfung und wählt den Menüpunkt Als Administrator ausführen... an.

Aus meiner Sicht ist der im Windows zu erledigende Schritt die größte Hürde, da es im Laufe des Installationsprozesses keinen Hinweis darauf gibt. Für einen Normalanwender praktisch kaum zu schaffen. Da das openSUSE-Installationsprogramm ja erkennt, dass UEFI, Secure Boot und Windows aktiv sind, sollte es dem Anwender einen entsprechendem Hinweis geben und nicht in eine Installations-Endlosschleife laufen.

Wie auch immer, nachdem im Windows das Linux aktiviert wurde, bootet es nun auch.

5. openSUSE Leap 42.2 im Einsatz

Als langjähriger KDE-Anwender habe ich mich auch diesesmal wieder für die KDE-Oberfläche entschieden. Alternativ stehen noch Gnome, Xfce und X Windows zur Auswahl. Gnome gefällt mir irgendwie nicht, aber das ist natürlich Geschmackssache. Xfce habe ich ausprobiert, ist deutlich schneller als KDE, gefällt mir aber auch nicht so gut und hängt sich gelegentlich nach der Anmeldung beim Laden der Arbeitsumgebung auf. Und X Windows kenne ich von früher, muss ich heute nicht mehr unbedingt haben.

Zurück zu KDE: Der Plasma 5 Desktop wirkt modern, das Startmenü ist gut strukturiert und sinnvoll gefüllt, es macht Spaß. Die für den gewöhnlichen Heimgerauch benötigten Programme sind vorhanden (Mozilla Firefox, Libre Office). Hat man so ein Programm geöffnet, merkt man praktisch keinen Unterschied zu Windows. Apropos Windows: Auch die Anlehnung des Plasma-Desktops an einige Stil-Elemente von Windows 10 ist nicht zu übersehen. Gemeint sind die Symbole mit den einfachen Strichen und Kreisen, z.B. für das Abmelden und Herunterfahren.

Am Update-Management gibt es nichts zu tadeln. Liegen Updates vor, wird das in der Statuszeile angezeigt. Ein Mausklick genügt, und die Updates werden heruntergeladen und installiert. Dazu bedarf es keiner Eingabe des root-Passworts.

Konfiguration und System Management ist generell sehr einfach, insbesondere auch Dank des nur bei SuSE-Linux-Distributionen vorhandenen Werkzeugs yast. Sei es Programme nachinstallieren oder einen Drucker einrichten, dank yast kein Problem. Bei der Einrichtungs eines Netzwerkdruckers muss man aber schon ein bischen technisches Verständnis mitbringen und wissen, was eine IP-Adresse, ein DNS-Name oder eine Portnummer ist.

Ein Punkt, bei dem allgemein Windows sehr dominant ist, ist das Thema Office. Wer jedoch schon unter Windows das freie LibreOffice eingesetzt hat, der fühlt sich unter Linux sofort zu Hause. Der einzige wirkliche Unterschied ist, dass man unter Linux die Windows-typischen Schriften wie Aral oder Comic nicht hat. Bekommt man jedoch ein Dokument mit so einer Schrift, dann ist sie auch unter Linux vorhanden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Thema Internet. Auch da Entwarnung: Mozilla Firefox ist im openSUSE enthalten und Chrome oder Opera kann man für Linux herunterladen.

Etwas schwieriger ist die Situation im Multimedia-Umfeld. Aufgrund von Lizenzrechten sind gewisse Codecs und Programme im openSUSE nicht enthalten. Man kann aber Online-Paket-Quellen einbinden (z.B. PackMan), von denen sich die benötigten Programme installieren lassen. Damit ist dann z.B. auch das Anschauen von DVDs mit dem VLC-Player möglich.

Die Paketquellen lassen sich im yast einbinden. Für Linux-Versierte seien hier mal die Kommandozeilen aufgeführt, mit denen man als Benutzer root im Terminal die Multimedia-Fähigkeiten schnell nachrüsten kann:

zypper addrepo -f http://packman.inode.at/suse/openSUSE_Leap_42.2/ packman
zypper addrepo -f http://opensuse-guide.org/repo/openSUSE_Leap_42.2/ dvd
zypper install k3b-codecs ffmpeg lame gstreamer-plugins-bad gstreamer-plugins-ugly gstreamer-plugins-ugly-orig-addon gstreamer-plugins-libav libdvdcss2
zypper dup --from http://packman.inode.at/suse/openSUSE_Leap_42.2/
Quelle: http://opensuse-guide.org/codecs.php)

Bei all der Freude über openSUSE gibt es aber auch ein paar Punkte, die man von Windows her so nicht kennt und die deshalb erstmal etwas mehr oder weniger negativ auffallen. Und da für die meisten Anwender eines Desktop-Computers Linux am Windows gemessen wird, möchte ich nachfolgend auf diese Punkte eingehen.

5.1. Verwaltung der WLAN-Passwörter

Standardmäßig wird das Netzwerk so installiert, dass es vom Network Manager verwaltet wird. Nach der Benutzeranmeldung will dieser eine Verbindung zum WLAN aufbauen. Dazu benötigt er ein Passwort, welches irgendwo im System gespeichert werden soll. KDE bietet dazu einen Passwortspeicher namens KWallet. Jedesmal wenn ein Programm ein Passwort wissen möchte, poppt der KWallet-Einrichtungsdialog auf. Und da der Network Manager nach der Anmeldung eine WLAN-Verbindung aufbauen möchte, meldet sich auch nach jeder Anmeldung KWallet. Also habe ich es eingerichtet. Man hat die Wahl zwischen einer Blowfish-Verschlüsselung oder einer PGP-Verschlüsselung. Bei Blowfish muss man für das KWallet selbst ein Kennwort vergeben, bei PGP erst ein Schlüselpaar generieren und den geheimen Schlüssel mit einem Passphrase genannten Passwort schützen. Für was man sich auch entscheidet, nach der Anmeldung am KDE muss man das KWallet-Kennwort bzw. den PGP-Passphrase eingeben. Es gibt leider auch keine Synchronisierung mit dem Anmeldekennwort, so dass, wenn beide Kennwörter gleich sind, auf eine Eingabe verzichtet werden könnte.

Da mich die doppelte Kennworteingabe nervt, habe ich nach alternativen gesucht und auch gefunden: Man kann die WLAN-Passwörter auch im Network Manager speichern. Vorher muss man KWallet ruhig stellen, indem man die Einrichtung mit Blowfish wählt, dann aber kein KWallet-Kennwort vergibt. Zur Speicherung eines WLAN-Passorts im Network Manager klick man in der Statuszeile auf das WLAN-Symbol und dann in dem sich öffnenden Menü rechts oben auf das unscheinbare Symbol für Netzwerkverbindungen bearbeiten.... Es erscheint der Verbindungs-Editor. Dort kann man dann nach einem Doppelklick auf das betreffende Netzwerk das WLAN-Passwort speichern, entweder nur für sich oder für alle Benutzer. Letzteres erfordert die Eingabe des root-Passworts.

Verwendet man Xfce, bleibt einem KWallet erspart. Die Verwaltung der WLAN-Passwörter ist dann ähnlich dem von Windows.

Alternativ könnte man auch auf den Network Manager verzichten und das Netzwerk als wicked einrichten. WLAN ist dann das Systemnetzwerk und die Verbindung wird schon vor der Benutzeranmeldung aufgebaut. Der Nachteil ist aber, dass das Booten deutlich länger dauert (ca. eine Minute) und dass man in der Statuszeile kein anderes WLAN auswählen kann, also keine echte Alternative für mobile Einsatzfälle.

5.2. Boot-Zeit

Meine Frau hat sehr bald und leider auch zurecht kritisiert, dass das Hochfahren des Rechners lange dauert. Und in der Tat, das Booten und Anmelden dauert wesentlich länger als unter Windows, insbesondere wenn man KDE verwendet. Und dabei ist im Windows die Schnellstart-Option ausgeschaltet.

Auf meinem Acer Aspire ES1-531 habe ich folgende Zeiten gemssen:

openSUSE Leap 42.2
mit KDE Plasma 5
openSUSE Leap 42.2
mit Xfce
Windows 10
Zeit von der Auswahl im Boot-Menü
bis zur Anmeldemaske
40 Sekunden 22 Sekunden
Zeit von der Eingabe des Kennworts
bis zum vollständig aufgebauten Desktop
bei Erstanmeldung nach dem Booten
31 Sekunden 18 Sekunden 15 bis 17 Sekunden
Zeit von der Eingabe des Kennworts
bis zum vollständig aufgebauten Desktop
nach Abmelden und Anmelden eines anderen Benutzers
14 Sekunden 3 Sekunden 8 bis 10 Sekunden
Zeit vom Abmelden bis zur Anmeldemaske 9 Sekunden 3 Sekunden 4 bis 8 Sekunden
Zeit zum Herunterfahren
bei angemeldeten Benutzer
12 Sekunden 6 Sekunden 13 bis 18 Sekunden

5.3. Stromverbrauch im Standby

Da das Hochfahren so lange dauert, klappt meine Frau einfach nur den Bildschirm zu. Wurde auf dem Rechner Windows 10 gebootet, hat man am nächsten Tag schnell wieder Windows zur Verfügung. Wurde aber openSUSE Leap 42.2 gebootet, ist am nächsten Morgen der Akku leer... (wenn der Laptop nicht am Stromnetz hängt).

Ich habe es ausprobiert und tatsächlich, der Akku wird leergesaugt, und zwar sowohl mit KDE als auch mit Xfce. Laut den Einstellungen im Energie Management müsste der Laptop nach einer gewissen Zeit in den Standby gehen. Doch das tut er nicht, wie mir eine der beiden LEDs verrät. Ich habe deshalb in beiden Fenstersystemen die Aktion Bildschirm zuklappen mit Ruhezustand belegt. Doch auch hier Fehlanzeige: Standy bzw. Ruhezustand werden nicht eingnommen. Es bleibt nur beim Bildschirm ausschalten und damit für den Anwender zwangsweise auch beim täglichen Herunterfahren.

Was die Ursache des Problems ist, habe ich bisher nicht weiter eruiert. An der Hardware jedenfalls liegt es nicht, denn erstens funktioniert es unter Windows und zweitens kann ich unter Linux über entsprechende Menüpunkte völlig problemlos den Rechner in den Standby und in den Ruhezustand versetzen. Es funktioniert also nur das Auslösen dieser Funktionen beim Zuklappen bzw. nach Ablauf einer gewissen Zeit nicht, auch nicht, wenn man in den Einstellungen etwas ändert. Und genau das ist für mich ein echtes No-Go!

6. Fazit

openSUSE Leap 42.2 ist weitgehend alltagstauglich. Wer von Windows Abstand nehmen möchte und nicht auf spezielle Windows-Software angewiesen ist, kann den Schritt zu openSUSE getrost wagen. Die Installation ist für den Normalanwender zu bewerkstelligen, es sei denn, man möchte eine Dual-Boot-Lösung mit Windows 10 einrichten. Das schafft man nur mit einigen Zusatzinformationen, die aber hier auf dieser Seite weiter oben zu finden sind. Damit ist dann auch eine Dual-Boot-Installation ein Kinderspiel.

Was die tägliche Nutzung angeht, gibt es kein Problem, solange man mit der mitgelieferten Software auskommt bzw. die benötigte Software hat. Mit Mozilla Firefox und LibreOffice werden jedenfalls schon mal wichtige Standardsoftwarepakete mitgeliefert.

An ein paar weniger schöne Dinge muss man sich jedoch gewöhnen, wie z.B. die deutlich längere Boot-Zeit oder dass man abends den Laptop herunterfähren muss, wenn er keinen Strom verbrauchen soll. Dass das geht, zeigen meine Frau und meine beiden Töchter, für die Linux nichts anderes ist als ein Technikwort, dass man nicht weiter kennen muss.

Die Vorteile von Linux merkt man leider nicht ganz so offensichtlich wie die Nachteile. Doch wenn man mal wieder Windows 10 hochgefahren hat, und in der App-Liste sieht, dass etwas ungefragt nachinstalliert wurde, oder dass das Internet langsam ist, weil gerade ein Mega-Update heruntergeladen wird, oder weil im Startmenü eine Werbung eingeblendet wird, oder weil man die Übermittlung von Daten ausgeschaltet hat und später feststellt, dass die betreffenden Optionen von Geisterhand wieder eingeschaltet wurden, dann lernt man Linux zu schätzen.

© 2017 Jens Müller